
Jerash: Die römische Stadt, die unter der Erde schlief
Jahrhundertelang sahen Reisende, die durch die grünen Hügel nördlich von Amman zogen, nur die Spitzen von Säulen, die aus Feldern und Erdhügeln ragten. Darunter lag eine der am besten erhaltenen römischen Städte der Welt und wartete darauf, freigelegt zu werden.
Eine Stadt der tausend Säulen
Das antike Gerasa wuchs in römischer Zeit zu einer reichen und eleganten Stadt heran. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. stand sie auf ihrem Höhepunkt: eine lange, mit Stein gepflasterte Säulenstraße, ein ungewöhnlicher ovaler Platz, Theater, Bäder, Brunnen und große Tempel für Zeus und Artemis. Als Kaiser Hadrian die Stadt im Winter 129/130 n. Chr. besuchte, errichteten die Bürger ihm zu Ehren einen Triumphbogen, der Besucher noch heute empfängt. Das Leben in der Stadt ging über Jahrhunderte weiter. In byzantinischer Zeit entstanden viele Kirchen, geschmückt mit feinen Mosaiken, und die Stadt blieb bis in die frühislamische Zeit bewohnt.
Erschüttert und begraben
Im Jahr 749 n. Chr. erschütterte ein schweres Erdbeben die Region und richtete in Gerasa großen Schaden an. In den folgenden Jahrhunderten schrumpfte die Bevölkerung, und die großen Bauten stürzten nach und nach ein. Regen spülte Erde von den Hügeln herab, und herabgefallene Steine, Erde und vom Wind verwehter Staub sammelten sich über Straßen und Böden. Stück für Stück verschwand die Stadt unter der Erde. Säulen standen halb begraben, und die Umrisse von Tempeln und Theatern wurden zu grasbewachsenen Hügeln. Diese Decke aus Erde verbarg die Stadt, schützte sie aber auch – einer der Gründe, warum Jerash heute so gut erhalten ist.

Wiederentdeckung und Ausgrabung
1806 kam der deutsche Reisende Ulrich Jasper Seetzen durch die Gegend und erkannte in den Ruinen das antike Gerasa. Weitere Reisende folgten und beschrieben die aufrecht stehenden Säulen und Bögen. Im späten neunzehnten Jahrhundert gründeten tscherkessische Siedler neben den Ruinen einen neuen Ort, und das heutige Jerash wuchs auf der Ostseite des Tals. Systematische Ausgrabungen und Restaurierungen begannen in den 1920er-Jahren und dauern bis heute an, wobei jordanische und internationale Teams zusammenarbeiten. Jede Grabungssaison bringt mehr von der Stadt ans Licht: Straßen, Läden, Häuser, Werkstätten und Mosaike. Ein großer Teil von Gerasa ist noch immer nicht ausgegraben.
Die schwankenden Säulen und ein Besuch heute
Am Artemistempel sind die hohen Säulen aus übereinandergeschichteten Steintrommeln gebaut, und einige von ihnen bewegen sich im Wind ganz leicht. Einheimische Führer zeigen das gern, indem sie einen Löffel oder einen Schlüssel in eine Fuge am Fuß einer Säule stecken und die Besucher einladen zuzusehen, wie er sanft hin und her wippt. Ein kleines Wunder, das Besucher seit Generationen entzückt.
Planen Sie für Jerash mindestens einen halben Tag ein. Gehen Sie durch den Hadriansbogen, am Hippodrom vorbei auf das Ovale Forum und die Säulenstraße entlang, und steigen Sie dann hinauf zum Artemistempel und zu den Theatern. Frühling und Herbst sind die angenehmsten Jahreszeiten, und im Sommer findet in der Stadt ein bekanntes Kulturfestival mit Musik und Aufführungen zwischen den Ruinen statt. Bequeme Schuhe, Wasser und ein Hut sind unverzichtbar.
Häufig gestellte Fragen
Warum war Jerash verschüttet?
Jerash, das antike Gerasa, wurde 749 n. Chr. durch ein schweres Erdbeben stark beschädigt. Als die Bevölkerung in den folgenden Jahrhunderten zurückging, stürzten Gebäude ein, und Erde, Steine und Staub wurden von den Hügeln herabgespült und bedeckten die Stadt. Diese Erdschicht verbarg die Ruinen, schützte sie aber auch und trug dazu bei, dass Jerash zu den am besten erhaltenen römischen Städten gehört.
Wer hat Jerash wiederentdeckt?
Der deutsche Reisende Ulrich Jasper Seetzen identifizierte die Ruinen 1806 als das antike Gerasa. Danach besuchten und beschrieben viele Reisende die Stätte. Großflächige Ausgrabungen und Restaurierungen begannen in den 1920er-Jahren und dauern bis heute an, wobei jordanische und internationale Archäologen an der Stätte arbeiten.
Bewegen sich die Säulen in Jerash wirklich?
Ja, ein wenig. Einige der hohen Säulen am Artemistempel sind aus übereinandergeschichteten Steintrommeln gebaut und schwanken im Wind leicht. Führer stecken oft einen Löffel oder Schlüssel in eine Fuge am Fuß der Säule, damit Besucher sehen können, wie er wippt. Die Bewegung ist winzig, und die Säulen stehen schon seit vielen Jahrhunderten so da.
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